Ausgabe 02 / 2013 - Dr. Herwig Kuczewski

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Hausarztzeitung Ausgabe 01/2013

Was ist komplementäre Onkologie?

Im hausärztlichen Alltag erleben wir immer wieder folgendes  bedrückendes Szenario:
einer unserer Patienten erkrankt an Krebs, wir sind oft an der Erstdiagnostik beteiligt.
Unser Patient landet dann in einer hochspezialisierten Medizinwelt: Operation, Bestrahlung und häufig Chemotherapie. Manchmal sehen wir unsere Patienten in dieser Zeit kaum noch. Irgendwann sind sie wieder da, oft in einem sehr schlechten Zustand.  Meist haben Sie Gewicht und Muskulatur verloren, mäßige Blutwerte und sind ziemlich erschöpft.
Ausgehend von dieser immer wiederkehrenden Erfahrung habe ich mich damit beschäftigt, was hier gerade im hausärztlichen Bereich an unterstützender Therapie möglich ist.
Dieses Feld ist die komplementäre Onkologie. Hier muss sehr sorgfältig und abgestimmt gearbeitet werden, damit die belastenden, aber oft hilfreichen Therapien nicht unnötig beeinträchtigt  werden. Wahllose, gutgemeinte Maßnahmen sind nicht sinnvoll und machen oft mehr Schaden als Nutzen.
Es gibt viele Daten und Studien über sinnvolle ergänzende Maßnahmen, die die Wirkungen der Chemotherapie oft sogar verbessern, in jedem Fall aber ihre Verträglichkeit steigern.
Warum werden diese Methoden von den behandelnden Onkologen meist nicht angeboten?
In vielen, meist von der Industrie bezahlten Studien kommen sie nicht vor. Die Universitätskliniken verfügen über viel zu wenig öffentliche Mittel, um diesem Übergewicht der Industrie etwas an eigener Forschung  entgegensetzen zu können. Die behandelnden Kollegen sind zeitmäßig oft gar nicht in der Lage, die erforderlichen Beratungsleistungen anzubieten. Das Geld für die oft sündteuren Chemotherapeutika mit teilweise Tagestherapiekosten von 500 bis 1000 Euro ist da, nicht aber das für die ärztliche Behandlung.
Wir waren bei einem Wochenendseminar in der onkologischen Fachklinik Bad Trissl bei Oberaudorf. Dort gibt es eine Abteilung für komplementäre Onkologie. Der eine Referent des Seminars, Chefarzt Dr.  Peter Holzhauer führt diese Behandlungen zusätzlich zu klassischer Chemotherapie seit vielen Jahren durch und verfügt über reichlich praktische Erfahrung.  Der zweite Referent war Uwe Gröber, sicherlich einer von Deutschlands renommiertesten Autoren im Bereich der orthomolekularen Medizin.
Welche Blutuntersuchungen machen zusätzlich zum Standardprogramm Sinn? Welche Nährstoffe sollen bei welcher Chemotherapie ergänzt werden, um Nebenwirkungen zu reduzieren? Bei welchen Kombinationen sollte man sehr vorsichtig sein, was gar nicht tun? Welche Nährstoffe werden wie (Mund, Spritze, Infusion) in welcher Dosis eingesetzt? Welche Ernährungsregeln sind hilfreich? Was ist mit unserem Immunsystem? Fragen über Fragen – und – viele Antworten!

Wir beraten unsere Patienten ausführlich, meist, nimmt man die bisherigen Rückmeldungen, deutlich ausführlicher als z.B. in der Klinik.
Wir verfügen mittlerweile selbst schon über einige Erfahrung mit dieser schonenden ergänzenden Behandlung und führen sie, soweit möglich und gewünscht,  in enger Absprache mit den behandelnden Onkologen durch.
Die wesentlichen Themenbereiche sind folgende:
Unterstützende Behandlung der Chemotherapie mit dem Ziel, die Verträglichkeit und den Erfolg der Chemotherapie zu verbessern.
Überwachung und Erhalt des Immunsystems, ohne dessen gutes Funktionieren der langfristige Erfolg jeglicher Behandlung fraglich ist.
Ernährungsberatung und –Therapie, um den Abbauprozess des Organismus, der bei jeder belastenden Behandlung stattfindet, zu bremsen. Hier verfüge ich als Ernährungsmediziner über das erforderliche Fachwissen, überwacht wird der Verlauf der Behandlung mit der BIA-(Bioimpedanz-)-Messung, die für diese Fragestellung sehr gut geeignet ist.
Literatur: z.B. Holzhauer/Gröber Checkliste komplementäre Onkologie Hippokrates-Verlag
Die Kosten (erforderliche Nährstoffe, ggf. Infusionen, unsere Beratungskosten etc.)  sind  moderat, teilweise können z.B. erforderliche Laboruntersuchungen über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden.  Wir klären natürlich auch über diesen Aspekt der Behandlung detailliert auf.

Unser Ziel ist es, gemeinsam eine schwierige Zeit möglichst gut zu überstehen!


 
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